Moin!
Gehen vier Physiker in einen Pub…
…und versuchen sich so wacker wie möglich bei einem Allgemeinwissens-Quiz zu schlagen.
So geschehen vorletzte Woche, als die lieben Claudia, Christina und Thies den weiten Weg nach Dublin auf sich nahmen und zu Besuch waren. Es war Donnerstagabend, als wir uns vor T.P. Smiths in der Innenstadt, einen Pintwurf vom Liffey entfernt, trafen. Hier finden wöchentlich zwei Pub-Quiz-Runden statt, immer zu einem wechselnden Thema. Verschiedene Serien-, Film- und Buchreihen kommen dran, von Harry Potter bis How I Met Your Mother. Und eben einmal im Monat auch schlichtweg Allgemeinwissen. Beantwortet werden die Fragen auf dem Mobilgerät über die Plattform “Kahoot”. Das Team muss sich schnell auf eine oder mehrere Antworten festlegen; nur 20 Sekunden bleiben nach Erscheinen der Frage. Wer am genauesten und am schnellsten antwortet, bekommt die meisten Punkte. Mit unserem gemeinsamen Physik-Hintergrund kam auch schon die Idee für unseren Teamnamen. “Powered by Physics” passte leider nicht in das Eintragungsfeld, also dann halt “Physics Power”. Power hatten wir auf jeden Fall für den Abend mitgebracht, nur leider auch sehr viele falsche Antworten. Das Fleisch war willig, der Geist ausbaufähig. So wurden es zwei verdiente fünfte Plätze bei beiden Quizrunden. Immerhin: Das “G-Splitting” (ein Spiel, bei dem man mit dem ersten Zug von einem Pint Guinness versucht, den Flüssigkeitspegel nach dem Absetzen genau in der Mitte des “G” vom Guinness-Schriftzug zu platzieren) gelang uns im Mittel perfekt. Ein spaßiger Abend allemal!

Erstaunliche Bäume
Eine mindestens genauso schöne Zeit wartete auf uns am Wochenende. Freitagvormittag trafen wir uns im Bus (natürlich schön auf den “Touri-Sitzen” ganz vorne im oberen Stock) auf den Weg zu einer Mietwagenstation im Süden der Stadt. Der Himmel sah vielversprechend aus, als wir nach erfolgreicher Übergabe des Autos unsere erste Station ansteuerten: Bray Beach. Das beliebte Ausflugsziel vor den Toren der Wicklow Mountains durfte schließlich nicht vorenthalten werden. Ordentlich vom rauen Wind und sporadischem Regen zersaust, aber mit einem Stück Rocky Road (im Prinzip ein Kalter Hund mit Marshmallows bestreuselt) gestärkt, ging es weiter, hinein in das Bergland. Einen standesgemäßen Empfang erhielten wir von einer undurchdringlichen Wolkendecke, welche “Lashing Rain” auf uns herabließ. Kein Wunder, dass wir viel Zeit im witterungsgeschützten Vehikel verbrachten. Nichtsdestotrotz fanden wir ein paar wunderschöne Aussichtspunkte und konnten die erhabene Landschaft in uns einsaugen (bzw. von ihr angepustet werden). Der Höhepunkt: Eine Schar einsamer Bäume auf weiter Flur, die völlig zu Recht auf Google Maps als “Amazing Trees” bezeichnet wurden. Das fanden sogar die ortsansässigen Schafe, die in der Nähe friedlich vor sich hin grasten.

Zurück auf der hin und wieder sehr engen und tückischen Straße, steuerten wir einen Aldi im nächsten größeren Ort an, um für Vorräte zu sorgen. Wie zu Hause! Weiter dann das letzte Stück bis zu unserem Zielort für die Tagestour: Laragh. Ein bezauberndes Dörfchen (gut, im peitschenden Regen eher nicht so) gleich rechts von Glendalough. Hier wartete unsere Bleibe für die Nacht, ein muckeliges B&B. Ein schöner Tag verdient auch einen schönen Abschluss. Und den hatten wir bei einem Abendessen im Restaurant “Heather” (eines von zwei Lokalen im Ort). Lokale Gerichte und leckeres, französisch interpretiertes Dessert machten satt und glücklich. Und Lust auf Tag 2 des Wicklow-Mountains-Ausflugs!

Pizza-Party
Wie so häufig hatte das Wetter am Samstag nichts mit dem vom Vortag zu tun. Strahlender Sonnenschein, aber auch deutlich abgekühlte Temperaturen, begrüßten uns am Morgen. Perfekt für unsere geplante Wanderung rund um die Seen in Glendalough! Wie schon vor ein paar Wochen (zusammen mit Nils, wobei wir, ulkigerweise, denselben Parkplatz wie damals bekommen haben) war Glendalough gut besucht. Was jedoch heute anders war: Aufgrund des starken Regens von gestern bahnte sich eine Menge Wasser seinen Weg den Berg hinunter ins Tal und erweckte so manche Wasserfälle so ordentlich zum Leben. Nach den obligatorischen Abstechern zur Abteiruine und dem jeweils kleinen und großen See (inklusive Fotoshootings) stand uns der Wanderteil der Reise bevor. Hier setzte sich, zum Glück, eine einzelne laute Stimme am Ende durch und wir bestritten einen längeren Rundweg den Berg hinauf und wieder hinunter zum Parkplatz. Belohnt wurden wir mit einer spektakulären Aussicht auf den Upper Lake und Besuchen von wilden Ziegen und sogar einem einzelnen, nicht ganz so eingeschüchterten Reh.

“Hoch hinaus” war auch das Thema unseres nächsten Ziels nach dieser Entdeckungstour durch die Wälder Glendaloughs. Der Tree Top Walk in Avondale wartete mit seinem holzgezimmerten Aussichtsturm in Form eines Pint-Glasses auf uns. Neben dem Perspektivwechsel, mal die Landschaft aus Sicht eines Vogels zu betrachten, konnten wir einiges über die lokale Fauna und ihre tierischen Bewohner erfahren. Das Highlight nach dem Erklimmen des Turmes: sich mal wieder wie ein Kind zu fühlen und über eine Riesenrutsche zurück zum Boden zu gelangen. Der Boden der Tatsachen sagte uns jedoch auch, dass sich der Tag dem Ende neigte und wir einen Ort fürs Abendessen benötigten. Mir fiel hierfür ein Pub ein, der mir mal empfohlen wurde: The Blue Light, malerisch an einem Berghang gelegen. Kühn machten wir uns auf den Weg dorthin. Zu kühn, wie sich herausstellte, denn das Lokal war leider alles andere als ein Geheimtipp. Erst Probleme bei der Parkplatzfindung, dann keine Chance auf einen Sitzplatz im Innenbereich. Einfach picke-packe-voll! Die Sonne war zu dem Zeitpunkt schon so gut wie verschwunden und entsprechend wurde es arschkalt und Essen auf den Bänken vor dem Pub war keine Option. Immerhin entschädigte der geniale Ausblick auf Dublin im schwindenden Tageslicht die Anfahrt.
Wo also stattdessen einkehren? Es stellte sich heraus, dass an einem Samstagabend plötzlich ohne Voranmeldung in einem beliebten Restaurant aufzutauchen generell nicht die cleverste Idee ist. Also wurde improvisiert: Pizza zum Mitnehmen beim Italiener bestellen und gemütlich im auf einem Anwohnerparkplatz abgestellten Wagen verzehren. Trotz (oder gerade wegen) der Umstände war es ein für mich gelungenes Abschiedsmal. Denn Claudia, Christina und Thies mussten mit einem frühen Flieger am nächsten Morgen wieder abreisen. So verbrachten wir die letzten gemeinsamen Stunden am Strand von Sandymount und bei Niche Living in Ballsbridge, damit ich ihnen auch mal meine “Hood”, die mir in den letzten Wochen und Monaten zum Zuhause wurde, zeigen konnte.
Für mich war es eine wunderschöne gemeinsame Zeit. Danke, dass ihr den Weg auf euch genommen habt! Und vor allem ein Riesendankeschön an Christina, die ohne Vorerfahrung mit Linksverkehr unser Auto gekonnt durch die trickreichen irischen Landstraßen gesteuert hat. Ich verneige mich!




