Moin!
Gestern Morgen bin ich aus Belfast zurückgekommen. Ein rasches Wiedersehen nach dem, wenn auch nur kurzen, Besuch vom vorherigen Samstag. Der Grund stand schon vor Monaten fest: ein Start beim Belfast City Halbmarathon. Dafür musste ich bereits einen Tag vorher vor Ort sein, um im Congresszentrum der Stadt meine Goodie-Bag mit der essentiellen Startnummer in Empfang zu nehmen. Allein deren Ausgabe war bereits als Event gestaltet: Es gab Ausstellungen verschiedenster gemeinnütziger Vereine, Anbieter von Laufbekleidung und Mitmachstationen wie z.B. zum Basteln eigener Anfeuerungsschilder. Selbst die ganz Kleinen hatten also ihren Spaß daran, sich auf das Rennen vorzubereiten.
Rund um diesen verpflichtenden Termin habe ich einen Bummel in die mir noch fremden Teile der Stadt unternommen. Markant für die Stadt und deren Geschichte sind die sogenannten Friedensmauern (Peace Walls), die noch heute vorwiegend irisch-katholisch geprägte Nachbarschaften von britisch-protestantisch identifizierten Gegenden trennen. Einige von ihnen haben im Laufe der Zeit Straßenkünstler angelockt. Diese nutzten die Mauern als Leinwand, um überwiegend politisch motivierte Motive zur Schau zu stellen. Das zu betrachten lädt alle Male zum Nachdenken ein. Und wer möchte, kann sich eine ortskundige Person organisieren, um bei einem Rundgang über den Ursprung der Wandgemälde und deren Bedeutungen aufgeklärt zu werden.



Dann der nächste Morgen: früh aufstehen, wenig frühstücken, Laufsachen anziehen, Startnummer befestigen und los geht’s. Ich hatte mir extra eine Unterkunft nahe des Startbereichs im Ormeau Park organisiert, damit der Weg nicht so weit ist. Es war ein herrlicher Morgen; die Sonne grüßte bei freiem Himmel und leichter Brise. So als wäre das Wetter bestellt gewesen. Je näher ich dem Park kam, umso frequenter traten die Scharen an Laufwütigen auf, die komischerweise demselben Weg folgten. Am Platz vor der Startlinie konnte man dann erahnen, dass sich rund 8000 für das Event angemeldet hatten. Viele Zelte der ortsansässigen Laufclubs, viele Imbissbuden (wohl eher für die Begleiter als für die Läufer). Es waren noch 30 Minuten bis zum offiziellen Start, also genügend Zeit, sich warm zu machen. Irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass man die Muskulatur vorher dynamisch in Gang bringen und dann nachher statisch ausdehnen soll. Also tat ich so, als wüsste ich, was ich tue, und hüpfte aufgeregt über den Platz. Zehn Meilen waren bis hierhin meine maximale Distanz gewesen; der Halbmarathon ist dann nochmal 3,1 Meilen obendrauf. Ja, ich wähle mit Absicht nicht die metrische Angabe, denn genauso wurde auch auf der Strecke die bisher zurückgelegte Distanz angegeben (nicht vergessen, Nordirland gehört zum Vereinigten Königreich).
Um 9:00 dann endlich der “Startschuss”, wobei ich so weit hinten in der Menge stand, dass es noch etwas dauerte, bevor ich meine Fitnessuhr auf Aufnahme schaltete und in den Jogging-Modus wechselte. Sollen die anderen vor mir ruhig erstmal machen. Ich selber schlug ein sehr gemächliches Tempo an, hatte keine Ahnung, wie viel Energie ich gegen Ende noch brauchen würde. Also lieber alles entspannt. Schon schnell machte sich bemerkbar, dass der Halbmarathon nicht nur bei den Teilnehmenden hoch im Kurs stand: Viele Menschen haben sich an den Straßenseiten positioniert, um entweder einfach nur zu schauen oder sogar anzufeuern. Besonders schön: Manche haben hierfür extra Schilder gebastelt und sind dabei sehr kreativ geworden. Ein paar Beispiele: “Tap here for a Power-Up” (in Anlehnung an das Super Mario Videospiel), “Forget about gels, you are the real snack!”, “Smile! You paid for this!” oder “You are tired? My arms are killing me!”. Kids hatten ihren Spaß daran, mit den Läufern abzuklatschen. Und hier und da gab es auch die obligatorischen Teilnehmer mit ausgefallenen Outfits, wie etwa ein rennender Dino.
Die Route verlief größtenteils auf abgesperrten Straßen: Einmal um den Ormeau Park drumherum, über den Fluss Lagan, ein kurzes Stück am Fluss entlang, dann wieder zurück auf die andere Seite bis hin zum Stadtflughafen, Kehrtwende Richtung Innenstadt, vorbei an den ikonischen H&M Kränen und dem Rathaus bis die Wandgemälde erreicht sind (besucht am Vortag), und dann die letzte Schleife zurück durch die Innenstadt, ein weiteres Mal über den Fluss und abbiegen auf die Zielgerade. Währenddessen gab es immer wieder Versorgung durch die fleißigen Helfenden mit Flüssigkeiten und Energie-Gelen, um nicht schlapp zu machen. Und genau das produziert leider auch sehr viel Müll und verschwendetes Trinkwasser; ein miserabler Aspekt solcher Massenläufe. Schätze, man kann nicht alle dazu zwingen, einen wiederverwendbaren Wasserbeutel mitzubringen.
Wie dem auch sei, am Ende schaffte ich es nach ca. 2 Stunden und 20 Minuten, in denen ich rhythmisch die Beine vorwärts warf, über die Ziellinie. Ein tolles Gefühl, es überstanden zu haben! Nächstes Ziel ganzer Marathon?!
Und zu guter Letzt nochmal ein riesiges Dankeschön an alle, die durch ihre Spende nicht nur die “Children’s Cancer Unit Charity” in Belfast sondern auch mich mental unterstützt haben. Euer Zutun bedeutet mir sehr viel! Trotz des geschafften Laufs gibt es nach wie vor allen Grund, Kindern, die unter einer schweren Krankheit leiden, zu helfen, wenn auch nur ein bisschen. Wer das tun möchte, ist weiterhin dazu eingeladen auf meiner persönlichen Fundraising-Webseite zu spenden:
https://eventmaster.ie/fundraising/pages/RH39031690
Die Seite ist noch bis zum 18. Oktober geöffnet.

