#13: Wo Wasser Stein und Schafe sich treffen

Moin!

Am Himmel tummelten sich die Wolken, der Wind zersauste die Haare und vor mir, ein schmaler Durchgang. Links wie rechts: Abgrund – jeder Schritt muss sitzen. Mit einem mulmigen Gefühl setzt sich der erste Fuß in Bewegung…

Donegal, das nordwestlichste County Irlands, ist von Dublin aus nur mit dem Bus auf öffentlichem Wege zu erreichen. Der Trip ging also mit Aufregung los, war es doch meine erste längere Busreise durch das Land. Die zentrale Busstation in Dublin war schnell gefunden und es ging an einem warmen Freitagnachmittag mit der Buslinie 30 Richtung Atlantikküste. Erster Zwischenstopp war der Flughafen und der zähe Verkehr drumherum kostete bereits die ersten Nerven. Danach ging es jedoch zur Erleichterung flotter voran. Über Cavan, Enniskillen in Nordirland und am majestätischen Lough Erne vorbei war nach etwa 5 Stunden Fahrt das Ziel erreicht: Donegal-Stadt. Ein reizender kleiner Ort, welcher sich locker innerhalb von einer Stunde zu Fuß komplett erkunden lässt. Die Highlights: der zentrale „The Diamond“ Platz, eine Klosterruine, die alte Burg, drei Brücken über den Fluss, welcher hinaus in die Bucht führt und an einem Hafen vorbeiführt. Zufrieden und satt machte ich mich nach einem großzügigen Mahl im indischen Restaurant (Wahnsinns Mango Lassie!) recht früh ins Bett für einen anspruchsvollen nächsten Tag.

Schüchtern versteckt sich Donegal Castle hinter den Bäumen

Denn dieser hatte das eigentliche Ziel des Trips parat: die Slieve League Klippen am westlichsten Zipfel des Counties. Hier war sorgfältige Recherche im Voraus gefragt: Komme ich da überhaupt mit den Öffis hin und, wenn ja, wie und wann? Spoiler-Warnung: Es geht. Erst den Bus morgens von Donegal nach Carrick genommen. Alleine diese Fahrt lieferte bereits lohnenswerte Blicke auf die Küste. Meine Vorfreude stieg mit jeder verstrichenen Minute. Dann war Carrick erreicht und von hier an fuhr dann nur noch der Fußbus. Hieß also immer die Straße entlang Richtung Meer. Fußgängerweg Fehlanzeige. Also einfach darauf vertrauen, dass alle motorisierten Straßennutzer aufmerksam unterwegs sind. Nicht gerade die stressfreieste Aktivität. Aber auch hier kann ich vorwegnehmen, dass bis zur Ankunft am Besucherzentrum der Klippen nichts Erwähnenswertes passiert ist (außer dem Ausblick auf den Fluss und der Begegnung mit ein paar schüchternen Schafen). Übrigens bin ich erst heute darauf aufmerksam gemacht worden, dass bei fehlendem Fußgängerweg auf der rechten Seite der Straße zu gehen ist (bei Linksverkehr) – wusste ich damals noch nicht.

Einen reißenden Strom galt es zu überqueren

Im Zentrum dann die gute Nachricht: Der letzte Weg zu den Klippen lässt sich im Shuttle zurücklegen. Aufgrund des saftigen Anstiegs auf den letzten Metern eine weise Entscheidung gewesen. Der Weg führte zur Aussichtsplattform, vollgestellt mit Imbiss- und Souvenirständen. Aber eben auch der Zugang zu den Klippen – und dem mächtigsten Anblick, den ich bisher auf der Insel genießen durfte. Einfach nur faszinierend, wie Wasser und Gestein im Zusammenspiel mit der Zeit eine Kulisse brachialer Schönheit gezaubert haben. Es hat mich mit großer Dankbarkeit erfüllt, dies mit den eigenen Augen zu erblicken. Das obligatorische Beweisfoto war schnell geknipst.

Gut gelaunt bevor anstehender Arbeit

Hier ging es mit der Erkundungstour erst richtig los. Ein Pfad war ausgeschildert, welcher direkt die Klippen hinauf führt. Entzückt nahm ich die Beine in die Hand (nicht ohne jedoch dem Souvenirstand auf den Leim zu gehen und einen Wanderstock zu erstehen). Vorbei an anderen Wanderwütigen immer weiter hinauf – bis auf den Kamm der Bergkette. Man kam miteinander ins Gespräch: über das ungewöhnlich schöne Wetter, den anstrengenden, alles andere als leicht ersichtlichen Pfad, das Geschehen in der Welt und … Fußball (was meinem Shirt zu verdanken war).

Schweißgetrieben oben angekommen, erstmal der nächste Schnappschuss.

Gut gelaunt nach geschaffter Arbeit

Wie es sich für Irland gehört, grasen selbst hier oben ein paar Schafe. Ansonsten gab es sehr viele sehr interessant aussehende Steine. Ich habe bestimmt ganze dreißig Minuten den Boden abgescannt, in der verzweifelten Hoffnung, über etwas Fossiliertes zu stolpern. Leider kein Glück! Ich hätte auch gut und gerne mehrere Stunden damit verbringen können, aber der strenge Busfahrplan (geplante Abfahrt war gegen 17, bevor dann erstmal für 4 Stunden (!) nichts mehr fuhr) hielt mich davon ab. Den One-Man-Pass zu überqueren, das musste jedoch noch sein.

Manchmal ist es eine einzige Gratwanderung

Mit Vorsicht am Steuer durchquerten die Beine den Gang zwischen den Welten. Jeglicher Fokus erfüllte das Jetzt wie rotierende Scheinwerfer, die sich mit einem Mal auf die Bühne ausrichten. Hin und wieder zurück gelang die Überfahrt. Da wo das Meer den Fels umarmt und die Schafe das Grün jagen.