Moin!
100 Tage, nicht um die Welt, sondern zum UCD-Campus und zurück. Die Partikel aufs Parkett bitten und hoffen, dass sie mit Proteinen in den Händen einen Paar-, wenn nicht sogar Gruppentanz aufführen. Kontrollierte Aggregation ist das Zauberwort. Und das in Abhängigkeit davon, wie viele Proteine gerade da sind. Am besten so wenige wie möglich. Einer Vision, der ich immer noch hinterher renne. Ja, das Problem mit der spontanen Selbstaufgabe der Tanzfläche war glücklicherweise schnell gelöst. Nur was macht man, wenn die Partikel beschließen mit Kaugummi unter ihren Füßen anzukommen? Und dadurch sehr schnell am Untergrund hängenbleiben? Erstmal ein Mysterium für den geneigten Physiker. Für einen Oberflächenchemiker ist die Lösung trivial: Die Tanzfläche einfach “einpudern”, damit die Klebkraft der Kaugummis nachlässt. Direkt was gelernt!
Nun also zum Händchenhalten der Partikel. Das bleibt nach wie vor eine spannende Angelegenheit. Viele Versuche sind ins Land gegangen, viele Bilder und Videos sind im Kasten. Ich bin am Sondieren und Evaluieren; der große “Heureka!”-Moment ist mir bisher verwehrt geblieben. Es gibt noch so viel zum Ausprobieren, so viele Parameter zu untersuchen. Das lässt das Forscherherz höher schlagen; der Kalender sagt jedoch: “Mach mal hinne!”. Noch knapp 2 Monate Zeit für Erkenntnisgewinnung. Tick, Tack, Tick, Tack. So wie die Partikel sich im Takt bewegen, prescht gnadenlos der Zeiger vorwärts. Am Ende bleiben wir am Ball und mit Glück und Geduld wird er auch mal reingehen. Und falls wer bis dahin ein paar gute Ideen hat…

Reflexion
Zeit breitet sich nicht nur aus, sondern zieht auch hinter sich her. Was sie bisher für mich mit sich zog? Ruhe bei der täglichen Mittagspause am Teich, Ärger über den zähflüssigen Dubliner Verkehr, ein Hauch von Erhabenheit beim Blick auf die See, Verzücken beim ersten Bissen in ein gemeinschaftlich zubereitetes Dessert am Mittwoch-Abend, Freudestrahlen nach geschafftem 10-Meilen-Lauf im Phoenix Park, Melancholie beim Betrachten einer grauen Regenfront, die vielen wohltuenden Nachrichten und Gespräche mit den Liebsten als erdende Verbindung nach Hause, erschöpfende aber spaßige Erkundungstouren auf dem Rad, das unvergleichliche Gefühl der Erfüllung den Croagh Patrick und die Slieve Leagues erklommen zu haben und damit sich die faszinierende Aussicht als Preis abholen zu dürfen, die Wut im Bauch wenn die Partikel nicht so wollen wie ich, der hysterische Lachanfall beim Blick auf die monatliche Kontoabrechnung, die Vorfreude auf alles was da noch kommen möge, die Trauer darüber dass nicht alles möglich ist, und, zu guter Letzt, tiefe Dankbarkeit für die Möglichkeit an einem neuen Ort mit den interessantesten Menschen in Verbindung treten zu dürfen.
Ist das am Ende alles die Zeit wert?
