#7: Wiener Kongress

Moin!

Letzte Woche wurde eine Hauptstadt gegen die andere zwecks des wissenschaftlichen Austauschs eingetauscht. Zwar mit nicht ganz so historischer Bedeutung wie die in der Überschrift erwähnte Zusammenkunft, hatte die “International Conference on Magnetic Fluids” für mich selbst einen hohen Stellenwert. Einen eigenen Beitrag vorstellen, alte Freunde wiedersehen, hoffentlich neue kennenlernen und all das in den Räumlichkeiten der altehrwürdigen Wiener Universität: Es gab viel auf das ich mich freuen durfte!

An der schönen Donau

Morgens um 6 Uhr hieß es: raus aus den Federn, um den frühen Flug nach Wien zu erwischen. Etwas verwirrt beim Anblick eines rot-weißen Flugzeugs (die Farben von RyanAir sind etwas anders), war dann doch schnell geklärt, dass die Fluggesellschaft Lauda dazugehört. Ohne Zwischenfälle in Wien gelandet und ab in die Innenstadt mit dem Schnellzug. Kleiner Fauxpas: Ein ganzwöchiges Ticket für die Öffis war aufgrund der Fußläufigkeit zwischen Hotel und Uni etwas übers Ziel hinausgeschossen. Naja, lieber haben als brauchen.

Direkt beim Ankommen oberhalb der Erdoberfläche nach der Zugfahrt kam mir der Gedanke: „Ganz schön hier!“ Jedes Gebäude wartete mit einer ästhetisch beeindruckenden Fassade auf, von den großen Sehenswürdigkeiten wie etwa dem Rathaus oder dem Parlamentsgebäude (beide passierte ich bereits auf dem Weg zum Hotel) ganz zu schweigen. Hier gibt es definitiv einiges zu entdecken. Nur war (zum Glück?!) die Woche Konferenz angesagt und das dichte Programm ließ wenig Spielraum für Sightseeing auf eigene Faust. Daher wurde kurzerhand der innere Pakt geschlossen, in absehbarer Zeit zum reinen Vergnügen wiederzukehren.

Die Donau habe ich übrigens während der Woche kein einziges Mal erblickt, sondern nur den Kanal. Dieser lädt nicht minder zum Verweilen ein und ist aufgrund der städtischen Erlaubnis zum Graffiti-Sprühen auch was für Kunst-Interessierte. Neben der üppigen Schönheit der Stadt erhaschte jedoch auch etwas Hässliches meine Aufmerksamkeit: Unmengen an Pferdekutschfahrten für die vielen Touris. Muss das sein?

Magnetic Particle Fever

Fünf Tage lang sich nur mit magnetischen Partikeln und deren Beheimatung in flüssigen Medien auseinandersetzen zu dürfen: Für viele völlig zurecht ein Lebenstraum! Entsprechend genoss ich die Veranstaltung sehr. Es handelte sich um eine sehr kompakte Konferenz, schätzungsweise mit ca. 200 Teilnehmern aus aller Welt. Entsprechend gab es zentrale Vortragsreihen über den Tag hinweg, unterbrochen von Kaffee- und Mittagspausen. Und das im Festsaal der Universität, welcher mit seinen Wandgemälden und Statuen an ein Kunstmuseum erinnerte. Hier inhaliert man mit jedem Atemzug Geschichte und exhaliert Erkenntnisse und Ideen für zukünftige Forschung.

Aufgelockert wurde das klassische Korsett für eine wissenschaftliche Konferenz (Vortragsreihen und Posterpräsentationen) mit einem Willkommens-Empfang in der Uni am Sonntagabend, einem Festbuffet inklusive klassischer Musik, Walzervorführung und Operngesangseinlage im Rathaus und einer Bustour durch die Stadt mit anschließendem Konferenzdinner mit österreichischer Kost und Trank.

Zusätzlich wurden innovative Ansätze ausprobiert: Teilnehmende mit Posterbeitrag konnten diesen über ein Kurzvideo bewerben und es wurden sogar Preise für die kreativsten Clips ausgerufen. Auf folgender Seite können diese bei Interesse betrachtet werden (besonders zwei Videos, die sich auf den substratnahen Transport magnetischer Mikropartikel beziehen, erscheinen mir aus irgendeinem Grund als besonders gelungen):

Poster Pitch Videos ICMF 2026

Außerdem gab es eine “Young Researchers”-Session, in der aufstrebende Jungforschende in einem verkürzten Vortrag ihr Promotions-Forschungsprojekt vorstellten, und eine Paneldiskussion zum Thema “Die Zukunft des Forschungsfeldes”. Hier wurden die üblichen Verdächtigen wie das aufkeimende KI-Zeitalter und die zunehmende Knappheit an Forschungsgeldern angesprochen. Leider nach meinem Empfinden mit zu wenig konkreten Bezug zu den spezifischen Herausforderungen unserer eigenen Forschungscommunity; es wurde stattdessen mehr auf einer generalisierten Ebene diskutiert.

Nach einer intensiven Woche (an deren Ende ich mir auch noch eine Erkältung aufgesackt habe) ging es erschöpft, aber inspiriert, zu einer komplett unvernünftigen Zeit mit dem erstbesten Flieger zurück nach Dublin. Nächste Station in ca. 4 Monaten: Kassel.