Moin!
Auf die Gefahr hin, dass einige komplett vom Stuhl gehauen werden: Die Welt sieht in Dublin jetzt nicht so wahnsinnig anders aus. Wie so häufig steckt der Teufel im Detail. Beziehungsweise auf dem Preisschild. Generell ist alles merkbar teurer hier. Vom Supermarkt-Einkauf über den morgendlichen Cappuccino hin zum Pint im Pub. Das hat seine Gründe: Es ist ein kleines Land, wo nur wenig vor Ort produziert wird. Da muss entsprechend viel importiert werden. Aufgrund der horrenden Wohnkosten in Dublin (über die Gründe hierfür muss man wiederum bei Google, Meta, Apple und Co. nachfragen) wohnen so einige außerhalb und müssen jeden Tag mehrere Stunden pendeln. Die Infrastruktur Dublins (Straßen und Fahrradwege) ist stark veraltet und daher gegen Null dafür ausgerichtet. Das führt unvermeidlicherweise zu verstopften Straßen im teilweise miserablen Zustand (ich wünschte manchmal, ich könnte mich auf Trek gut anschnallen). Die komischen Ampelschaltzeiten tun ihr Übriges; gefühlt dauert eine Grünphase nur etwa 5 Sekunden.

Chocolate powder on top?
So viel dazu. Es gibt natürlich auch einfach nur interessante Unterschiede. Die Steckdosen, zum Beispiel: So ziemlich jede, die ich bisher gesehen habe, hat einen eigenen An- und Ausschalter. Wie oft ich mich dadurch schon gefragt habe, warum das verdammte Handyladen nicht funktioniert.
Oder Zugfahrten: Während es bei der Deutschen Bahn wichtig ist, wo wer hin will, ist hier anscheinend wichtiger, wer wo hin will. Bedeutet: In den kleinen Displays über den Sitzen der Irish-Rail-Züge steht nicht die Reisestrecke, sondern der Name des Reisenden. Klar, wenn man das nicht möchte, kann man dies während der Buchung auch ausschalten. Ich find’s jedoch erfrischend zu wissen, wer noch so mit einem unterwegs ist. Immerhin ist man bereits durch das gemeinsame Ziel verbunden; warum nicht gleich ein bisschen näher kennenlernen?
Und mein Lieblingsdetail: Bei der Bestellung eines Cappuccinos im Café gefragt zu werden, ob Schokopuder oben drauf soll. Womöglich geh ich daheim zu wenig auswärts Kaffee trinken, um es dort bemerkt zu haben; hier scheint das ein Standard-Ding zu sein. Und es ist ein schönes Extra: Meistens möchte ich den Cappuccino einfach so genießen; manchmal denke ich jedoch, dass eine süße Note jetzt genau das Richtige ist.

Land und Leute
Das nimmt man sich ja gerne vor, näher kennenzulernen, wenn ein längerer Tapetenwechsel ansteht. Vom Land hab ich soweit schon einiges gesehen (zusammengenommen mit dem Urlaubstrip vor 8 Jahren). Über die Leute kann ich bisher sagen: freundlich und humorvoll. Nicht umsonst wird, bevor man das Land betritt, vor der frohen irischen Lebensart und Gastfreundschaft gewarnt. Hier wird einfach alles nicht so eng genommen. Dies schlägt sich wiederum in den Momentaufnahmen nieder (die kleinen Dinge!). Als ich in Belfast das Titanic-Museum besuchte, trug ich ein Star-Wars-Fan-Shirt. Der junge Mann am Einlass bemerkte dies und reagierte als Bruder im Geiste: Er sagte, dass ihm mein Shirt gefällt und ich keine Jedi-Tricks anwenden müsse, um an ihm vorbeizukommen. Und dass er meinen Mangel an ausgedruckten Papiertickets beunruhigend findet (frei nach einem berühmten Zitat von Darth Vader). Da ging ich doch glatt mit mehr Freude in die Ausstellung.
Auch manche Ortsbezeichnungen sorgen für den ein oder anderen Schmunzler:



Das unsinkbare Schiff das gesunken ist
Da kann ich ja jetzt direkt den Bogen zu meinem Wochenend-Ausflug nach Belfast Anfang Mai spannen. Wie die vorherige Anekdote vermuten lässt, wurde hier das legendäre Kreuzfahrtschiff gebaut, über das sogar ein (nicht ganz unerfolgreicher) Kinofilm gedreht wurde. Vielleicht interessant zu wissen: Die Titanic hatte zwei Schwesterschiffe, die Olympic und die Britannic, die alle drei zusammen eine einzigartige Klasse an Kreuzfahrtschiffen bildeten. Sie wurden in der Belfaster “Harland & Wolff“-Werft gebaut, deren gelbe Baukräne noch heute das Stadtbild prägen. Weltweit bekannt: Das tragische Schicksal der Titanic und ihrer Passagiere auf der Jungfernfahrt über den Atlantik. Dies und viele weitere Einzelheiten wie etwa die Konstruktion, das Auslaufen aus dem Trockendock als Mega-Event, aber auch die wirtschaftliche Situation der Stadt zur damaligen Zeit werden im Museum dokumentiert. Der Gedanke, der mich am Ende der Ausstellung am meisten beschäftigt hat: All das investierte Geld, die Zeit und das Opfer der beschäftigten Arbeiter, von denen einige beim Bau verunglückt sind, nur dass am Ende die Versäumnisse einiger weniger dieses ohne Frage technische Meisterwerk auf katastrophale Art und Weise zunichte gemacht haben (von den Menschenleben, die das Unglück gekostet hat, ganz zu schweigen). Wenn man so möchte, hatte der Niedergang der Titanic eine “gute” Seite: Es wurden viele neue Sicherheitsstandards geschaffen bzw. alte verbessert, so dass heutzutage die Fahrt mit dem Kreuzfahrtschiff doch eher zur Erholung einlädt und nicht zum Bangen um das eigene Leben.






Ach ja, und bevor ich es vergesse: Belfast ist eine schöne Stadt, voller Geschichte. Hoffentlich kommt sie bald wieder zur Ruhe.
Cheers und bis bald!
