Moin!
Einen guten Monat bin ich jetzt hier in Dublin (der DAAD macht’s möglich) und dachte, ich fang mal an über diesen Blog von meinen Eindrücken zu erzählen. Und es geht los mit meinem treuesten Begleiter, einem wahren Freund und Wohltäter: Trek.

Zur Verfügung gestellt von meinem professoralen Gastgeber, Gil Lee, (mega großes Dankeschön dafür!) ist Trek für mich schon nach kurzer Zeit unverzichtbar geworden, um von A nach B zu kommen. Sei es zum Uni-Campus, zum Einkaufen, zur nächsten Haltestelle oder zum Start der Dublin Mountain Challenge (später etwas mehr hierzu), in den manchmal arg verstopften Straßen Dublins ist das Fahrrad mein Mobilitäts-Held. Klar gibt es hier auch Trams (Luas), eine Art S-Bahn (DART), die vom Norden in den Süden verläuft, und jede Menge Busse. Über Luas und DART konnte ich bisher noch nicht meckern; die Busse erscheinen jedoch mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip. Außerhalb von Dublin ist es nicht viel besser; da bricht die Menge in Erleichterung aus, wenn überhaupt ein Bus kommt. Also an dieser Stelle mal ein unironisches Hoch auf die Deutsche Bahn und das gut ausgebaute Schienennetz in Deutschland.
Ballsbridge
So heißt der Stadtteil, wo ich noch bis Ende Oktober hausen werde. Ganz einfach gesagt: Hier ist das Leben schön! Grüne Alleen mit ihren herrschaftlichen Häusern links und rechts laden zum Spazieren gehen und Laufen ein, während Innenstadt, Uni-Campus und der Strand nur den berühmten Steinwurf entfernt sind. Ballsbridge ist das Botschaftsviertel von Dublin (einmal über die Straße ist die britische Botschaft), die teuerste Wohngegend der Stadt und für die kurze Zeit hier hätte ich mir kaum was Besseres wünschen können. Das Gebäude (Niche-Living), in dem sich mein bescheidenes 1-Zimmer-Apartment befindet, steht gerade mal seit etwa einem halben Jahr; voll Glück also, obendrein auch noch eine topmoderne Ausstattung zu haben!

UCD
Das University College Dublin (UCD), speziell die School of Chemistry, ist mein wissenschaftliches Domizil. Hier untersuche ich in Gils Laboren die gezielte Anordnung und Aggregation (steht in der Fachidioten-Sprache für Verklumpung) von winzigen magnetischen Partikeln, an deren Oberflächen spezielle Proteine haften. Kommt ein anderes spezielles Protein (eine Art Gegenstück) in Kontakt mit der Oberfläche, so soll dies zu einer Verkettung der magnetischen Partikel führen, sodass diese sich nicht mehr voneinander trennen wollen. Ist genau dies unter einem handelsüblichen Mikroskop zu beobachten, könnte man also die Anwesenheit des “Gegenstück”-Proteins damit nachweisen. In Richtung Anwendung gedacht, hilft diese Methode z.B. dabei, bestimmte Krankheiten, bei denen charakteristische “Botschafter” (Proteine, Viren, Bakterien etc.) auftreten, frühzeitig zu erkennen. Meine Erfahrung in der Physik hinter der Partikelbewegung kombiniert mit Gils Expertise in der Oberflächenbestückung von Partikeln mit Proteinen soll die Basis für das Gelingen des Projekts bilden.
Na, vor lauter Begeisterung über die dargebotenen interessanten wissenschaftlichen Details schon eingeschlafen? Ok, ok, dann kommt abschließend noch ein bisschen was zu außeruniversitären Aktivitäten.

Die Berge
Das Schöne ist, relativ schnell draußen in der Natur zu sein, sei es an den Klippen entlang der Küste oder hoch oben in den Bergen (na gut, jetzt nicht so hoch, aber man muss sich beim Besteigen schon ein bissl anstrengen). Besonders Letzteres konnte ich vor etwa 2 Wochen bei der Dublin Mountain Challenge genießen. Hier ging es darum, eine 24-km-Strecke (42 km wäre auch eine Option gewesen, aber dann doch nicht aus dem Stehgreif) durch die südlich gelegenen Dublin Mountains zu bewältigen und dabei die gemeinnützige Organisation “Barretstown” zu unterstützen. Es haben sich am Ende mehrere hundert Wandererinnen und Wanderer gefunden, die sich bei typisch wechselhaftem Wetter (oben auf dem Bergkamm haben die Wolken den perfekten Zeitpunkt gewählt, um ihre Schleusen zu öffnen) auf den Weg machten. Klar, einfach so draufloszuwandern ist jetzt nichts Weltbewegendes; dies jedoch in einer so großen Gruppe zu tun, was einer kleinen Völkerwanderung gleichkam, war für mich schon sehr eindrucksvoll.




Waterford
Zurück in der Zivilisation gibt es in Irland neben Dublin auch ein paar weitere schöne Städtchen zu besuchen. Letztes Wochenende zog es mich südlich nach Waterford, einer der ältesten Siedlungen auf der irischen Insel (vielleicht sogar die älteste?!). Entsprechend kann man hier viel über Geschichte lernen, vor allem im sogenannten “Viking Triangle”. Dies ist ein Stadtbezirk, der die ursprüngliche, von Wikingern gegründete Siedlung markiert und (Überraschung) von oben wie ein Dreieck ausschaut. Hier tummeln sich so ziemlich alle Museen der Stadt auf einem Fleck; perfekt, um Zuflucht vor den klassisch-irischen Regenschauern zu suchen. Was mich aber eigentlich hierher gezogen hat, ist der “Waterford Greenway”: Ein Fahrradweg, der aus dem Ort hinaus über etwa 50 km durch den “Landkreis” (County) Waterford zur Küstenstadt Dungarvan führt. Das Besondere: Der Weg verläuft direkt auf einer stillgelegten Bahnstrecke, bedeutet man kann schöne alte Viadukte überqueren und durch einen langen dunklen Tunnel düsen. Zusammen mit der abwechslungsreichen Landschaft (erst Fluss, dann Berge, zum Schluss Küste) war es ein toller Trip.









Weiter geht’s
Von nun an ist mein Bestreben, hier einmal wöchentlich einen neuen Eintrag zu verfassen. Verzeihung an dieser Stelle an alle, die lieber auf Englisch mitlesen würden. Aber dafür gibt es ja in unserer modernen Welt mittlerweile den einen oder anderen brauchbaren Übersetzer. Ach ja, und wer sich fragt, was es mit dem Namen des Blogs auf sich hat, muss ich auf später vertrösten.
Let’s see what happens. What happens.
Cheers!